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Wortfeuerwerk - 17.4.2026

Der Landsberger Autorenkreises in der Bücherei Kaufering
Diesen Beitrag gibt es wieder in einer Kurzfassung für die Presse und einer langen für diejenigen, die es genau wissen wollen.

Hier die Version für Eilige:
Kreativ sprühendes Wortfeuerwerk
Moderatorin Theresa Schermer hatte zur Lesung gerufen – und viele folgten der Einladung. Die „Bühne“ war ein Kunstwerk für sich: ein silberner Kerzenleuchter mit sanftem Licht, ein rotbedeckter Leseplatz wie stilles Feuer, ein weißer Stehtisch als unschuldige Erdung, bevor die Fantasie abhob – und mittendrin Theresa Schermer, eine Mischung aus Esprit und Wärme, schelmisch einen schwarzen Zylinder schwenkend. Darin lagen Hinweise auf die lesewilligen Autoren, „von einem Kobold gründlich durcheinandergewirbelt“. Nach und nach zog sie 15 Namen aus dem Hut: Barbara Koopmann, Martje Herzog, Lore Kienzl, Hermann Schütz, Ruth Jakob, Klaus Wuchner, Peter Gräfen, Franz Oberhofer, Mirlo Verdad, Dr. Boris Schneider, Dr. Herbert Brims, Thomas Glatz, Roland Greißl, Klaus Büttermann, Theresa Schermer.
Um Erinnerungen zu Schweinefleisch und Frühling in Welden ging es, um Ernst und Leichtigkeit oder Rätsel und Gesichtswasser (HSch), um Blühendes und Ruhendes, Zentrales und Nachdenkliches (PG) ebenso wie Entdecktes und Geheimnisvolles, Bewegliches und Lauerndes. Temporeiches und Tückisches wurde dargelegt, Ehrfurchtgebietendes und Zukünftiges (HB), auch Richtiges und Fiktives, Überraschendes und Unverwechselbares (KB) und fand seinen Abschluss bei Lausbuben und Hühnereiern. Die Gastleser (Initiale in Klammern) fügten sich dabei nahtlos ein in die Textvielfalt aus dem Autorenkreis, die das ungewöhnliche Thema bei den Sprachkreativen ausgelöst hatte.
Herzlichen Dank an die Organisatorinnen vor Ort, allen voran Frau Hecht, die diesem „Wortfeuerwerk“ einen festen Stand verschaffte und den Zuhörenden bequeme Stühle. Das Ambiente zwischen Hunderten von Büchern ist jedesmal aufs Neue überwältigend für die Liebhaber der Lektüre. Was Wunder, dass Gäste wie Autoren sich mit einem Lächeln verabschiedeten von dem gelungenen Abend um Moderatorin Theresa Schermer, der sicher noch nachglimmen dürfte. Erinnerungshilfe wird angeboten unter: Landsberger-Autorenkreis.de

Gekürzt von Carmen Kraus

Theresa geht ins Detail:
Kreativ sprühendes Wortfeuerwerk
Ein Abend, der schon beim Eintreten leise versprach, besonders zu werden. Der Landsberger Autorenkreis hatte zur Lesung gerufen – und viele Zuhörer folgten der Einladung. Das Ambiente war ein Kunstwerk für sich: Ein versilberter Kerzenständer warf sein Licht wie eine wandernde Sternschnuppe in den Raum, der rot bedeckte Leseplatz glühte wie stilles Feuer, ein Stehtisch in Weiß, ein Hauch von Unschuld erdete die Bühne, bevor die Fantasie abhob.
Die Moderation stimmte Theresa Schermer an, mit jener Mischung aus Esprit, Wärme und feinem Humor, die man an ihr kennt. In der Hand: ein schwarzer Zylinder – magisch, geheimnisvoll, schelmisch. Darin, wie sie verriet, Namen und Kurztitel der lesenden Autorinnen und Autoren, zuvor angeblich von einem Kobold gründlich durcheinandergewirbelt. Mit einer Prise Bühnenzauber eröffnete sie den Abend – und damit die Bühne für die Stimmen, die folgen sollten. Nach und nach zog sie die Namen aus dem Hut …

Barbara Koopmann – „Schwein gehabt“
Barbara eröffnete den Abend mit einem Beitrag, der sichtbar aus einem sehr persönlichen Erlebnis schöpfte. Mit ruhiger Offenheit erzählte sie von einer Erfahrung, die sie seither davon abhält, Schweinefleisch zu genießen. Ihr Vortrag legte ein warmes Schmunzeln in den Raum.

Martje Herzog – „Ein Frühlingstag in Welden“
Martje brachte eine ruhige, klare Wärme mit, die den Raum sofort sanft durchströmte. Ihre Lesung wirkte wie ein Atemzug frischer Frühlingsluft – und man spürte, dass dieser Tag in Welden für sie eine lebendige Erinnerung trägt, die beim Lesen still aufblühte.

Lore Kienzl – „Ja. Nein.“
Lore stand mit jener feinen Mischung aus Ernst und Leichtigkeit am Lesetisch. Ihr Text war kurz, sehr kurz – zwei Wörter, klar und eindeutig, und doch erstaunlich vielsagend. Ein konzentrierter Moment, der zeigte, wie entscheidend das Kleine manchmal sein kann.

Hermann Schütz – „Pitralon“
Gastleser Hermann Schütz trat mit großer Gelassenheit auf, seine Stimme füllte den Raum mit ruhigem, sicherem Klang. Ein souveräner Moment im Abend: Ein Junge löst sehr gerne Rätsel, ein anderer kann das besser. Dann ein spätes Wiedersehen – der altbekannte Geruch von Pitralon …

Ruth Jakob – „Willkommensgruß an den Mai“
Ruth Jakob las einen Text aus der Feder von Theresa Schermer. Eine zarte, poetische Note brachte er in den Abend. Mit warmem Ton schwelgte sie in Düften und Blüten des Frühlings, in Bildern des Erwachens, die sich bis zum Mai hin entfalteten – jenem Monat, der den Sommer schon leise heranwinkt. Ihr Vortrag verlieh dem eine besonders einfühlsame, blühende Note.

Klaus Wuchner – „Wo ist der Herkomer?“
Für Klaus Wuchner übernahm Barbara die Lesung seines Textes. Mit ruhiger Präsenz führte sie das Publikum in einen Moment der Erinnerung zurück – hin zu Landsbergs geschätztem Allroundkünstler Hubert von Herkomer, dessen Wirken bis heute nachhallt. Ein Beitrag, der Vergangenheit und Gegenwart fein miteinander verband.

Peter Gräfen – „Gibt es Sie überhaupt?“
Peter trat mit einem warmen Lächeln ans Pult und ließ seinen Blick kurz durchs Publikum wandern. Mit markant ruhiger Stimme stellte er die zentrale Frage seines Textes – eine Frage, deren Antwort er bewusst den Zuhörerinnen und Zuhörern überließ. Ein Moment, der zum Nachdenken einlud und still nachwirkte.

Franz Oberhofer – „Die roten Handschuhe“
Franz brachte eine klare, kräftige Lesart mit, die seinen Beitrag wie ein Bild in den Raum stellte. Ein roter Handschuh, ganz beiläufig im Briefkasten entdeckt – geheimnisvoll, rätselhaft, fast wie ein stiller Gruß. Und doch bleibt er am Ende einfach ein roter Handschuh. Ein Moment, der durch Franz’ Erzählung besonders eindrucksvoll wirkte.

Mirlo Verdad – „Versteckspiel“
Der Titel verriet ein harmloses Kinderspiel – doch es kam anders. Seine Lesung hatte etwas Bewegliches, Lauerndes, Spannendes: die Suche nach einem Freund im Wald, bei der man unweigerlich mitsuchte und für einen Moment die Sorge teilte, ihn vielleicht nicht zu finden. Ein Vortrag, der das Publikum spürbar mitnahm.

Dr. Boris Schneider – „Bring Farbe in dein Leben: Fahr Bahn!“
Boris brachte Tempo und Witz auf die Bühne. Mit feinem Humor erzählte er vom Dilemma eines Menschen, der täglich auf die Bahn angewiesen ist – samt all der kleinen Tücken, die das mit sich bringt. Seine Stimme hatte Schwung, doch wirkte versöhnend. Sein Auftritt setzte einen frischen Farbtupfer in den Abend.

Dr. Herbert Brims – „Familienchronik als Wortfeuerwerk gegen das Vergessen“
Herbert las mit ruhiger Würde und tiefer Ernsthaftigkeit über jene Fotos, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln – Erinnerungsstücke, die man im Alter mit besonderer Ehrfurcht festhält. Sie erzählen von vergangenen Zeiten, in denen Reisen beschwerlich, aber auch einzigartig war. Er spannte den Bogen bis in die Gegenwart, in der selbst der Luftraum nicht mehr das letzte Fortbewegungsmittel sein wird. Ein kraftvoller, respektvoller Beitrag, der Vergangenheit und Zukunft eindrucksvoll verwirkte.

Thomas Glatz – „Die Blaume“
Thomas trat ans Lesepult mit einer Schulsituation, in der Kinder Wörter unterstreichen sollten, die es gibt. Ein Kind markierte „die Blaume“ – und plötzlich stand die Frage im Raum: richtig oder falsch? Einerseits existiert das Wort als fiktive Möglichkeit, andererseits findet es sich nicht im Duden. Seine Lesung in feinem, fast schwebendem Ton ließ das Publikum aufmerksam lauschen– und man spürte, wie nachdenklich, ja verwirrend dieser kleine Moment einige zurückließ.

Roland Greißl – „Beklemmende Stille“
Roland erzählte eine selbst erlebte Begebenheit – ein Moment in der Sauna, entstanden durch eine überraschende Verwechslung: Aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit hielt man ihn für „James Bond“ Sean Connery. Ein kleines bisschen Starstolz, einem so berühmten Schauspieler das Gesicht zu „stehlen“, tat gut. Doch in seiner Geschichte regte sich auch ein Wunsch an Gott: Wenn schon diese Ähnlichkeit, dann bitte auch ein paar Zentimeter mehr Größe – der Künstlerehre wegen.

Klaus Büttermann – „Wortgewitter“
Klaus las mit jener markanten Energie, die seinem Auftritt etwas Bühnenhaftes verlieh. Ein Gewitter, verschmolzen zu einem Wortgewitter – spürbar, als stünde man als Zuhörer mittendrin und könnte die Kraft und Macht der Worte wie das prasselnde Naturereignis erleben. Ein kraftvoller Text, der seinem Titel alle Ehre machte.

Theresa Schermer – „Oamol a Gejd verdeana“
Als letzter Auftritt des Abends verabschiedete sich Theresa mit einem humorvollen Gruß an das Publikum. Sie erzählte eine Lausbubengeschichte ihres Sohnes Luis und seines Freundes Hupsi: Wie die beiden auf die Idee kamen, aus Hühnereiern in der Mikrowelle schnell mal Küken „auszubrüten“, um damit Geld zu verdienen. Ein Plan, so abenteuerlich wie kindlich genial – und natürlich herrlich zum Scheitern verurteilt. Ihre Erzählung brachte den Raum zum Lächeln, ja sogar zum leisen Kichern. Ein heiterer, liebevoller Abschluss, der den Abend rund machte.
Nachklang
Als der schwarze Zylinder seine Geheimnisse für diesen Abend erschöpft hatte, blieb ein feines Leuchten im Raum zurück. Die Zuhörerinnen und Zuhörer verweilten noch einen Moment, als wollten sie die Worte, die Klänge und kleinen Funken der Lesenden nicht sofort loslassen.
Diese Stimmung nahm die Schlussworte von Theresa Schermer auf, dass Geschichten lachen, flüstern und manchmal sogar ein wenig tanzen können – und dass gute Texte weiterleben, raschelnd in der Jackentasche, nachklingend im Kopf, vielleicht sogar wieder auftauchend beim Frühstück am nächsten Morgen.
Herzlichen Dank an die Organisatorinnen vor Ort, allen voran Frau Hecht, die diesem „Wortfeuerwerk“ einen festen Stand verschaffte und den Zuhörenden bequeme Stühle. Das Ambiente zwischen Hunderten von Büchern ist jedesmal aufs Neue überwältigend für die Liebhaber dieser Stücke. Die Autorinnen und Autoren bedankten sich auch herzlich bei der Moderatorin, deren leise Bühnenmagie den Abend getragen hatte. Viele Gäste verabschiedeten sich mit einem Lächeln, manche mit einem Anflug von Verzauberung – und wohl alle mit dem Gefühl, Teil eines besonderen Moments gewesen zu sein. So ging das Wortfeuerwerk zu Ende: nicht laut, sondern leuchtend. Ein Abend, der gelungen war – und der in den Gedanken der Anwesenden noch lange nachglimmen dürfte.

Theresa Schermer
Fotos von Thomas Glatz, Roland Greißl und Marcel Krijger (Gruppenfoto)