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Seelesung mit Musik - 19.6.2026

Ein Sommerabend mit Harmonien und Brüchen

Moderator Dieter Vogel hatte den Landsberger Autorenkreis zu einem offenen Leseabend ohne vorgegebenes Thema eingeladen. Er begrüßte an einem warmen Freitagabend mehr als 30 Anwesende, davon 15 lesewillige Autoren, im Gasthaus „Seerose“ in Welden/Fuchstal.

In kurzen Pausen spielte der vielseitige Fuchstaler Sepp Huber temperamentvoll am E-Piano Improvisationen und bekannte Melodien.

Das Los bestimmte Hermann Schütz zum ersten Leser: „Ich mag keine Karnickel“, lieber junge Hasen mit unterschiedlich langen Löffeln, mit traurigen Augen, die ihn liebevoll anschauen. Eine parabelreiche Geschichte zeugte von viel Fantasie in der Umsetzung.

Marianne Porsche-Rohrer las Gedichte aus verschiedenen Ausgaben ihrer Buchreihe, unter anderem aus „Gewürzkunde in aller Munde“ zum Geschmack der Weißwurst und wieso Macis Muskatblüte ist, aber eigentlich doch nicht.

Tina Vogel sprach von der Kehrseite lauer Sommernächte: Scharen von Schnaken, die im Urlaub überfallartig zustachen und deren Folgen: Bei Abwehr der summenden Insekten kann schon mal ein umfallendes Glas Rotwein die Idylle zerstören.

Rudolf Fichtl trug daraufhin für Klaus Wuchner dessen Gedicht vor von der Schwüle des vergangenen Tages, von der Sonne, die langsam untergeht, vom Käuzchen, das am Abend ruft …

Gastleser Armin aus Buchloe fügte sich auch in die ausgeloste Folge ein. Ein Vögelein möchte er sein, weil kleine Vögel viel Kraft haben, Gottes Kraft im Sonnenlicht spüren. Sie leben frei von Sorgen und Nöten, einfach in der Harmonie der Natur.

Für Andrea Sperling ist das aktuelle Datum ein besonderer Tag der Erinnerung an eine wunderschöne Zeit, die sich nicht wiederholen kann. Bei Forschungsreisen nach Kanada lernte sie die lebensrettende Natur in einem Sturm kennen.

Der Moderator plauderte die Besonderheit des Tages aus und mit musikalischer Unterstützung durch Sepp Huber sang der ganze Saal spontan ein Geburtstagslied.

Dann las Dr. Boris Schneider von seltsamen Ortsnamen wie Süddorf oder Norddeich. Hund und Katz scheinen, in Ortsnamen gegossen, etwa zu Katzenelnbogen zu werden, doch geht man in der Geschichte zurück, zeigt sich, dass nicht die Katze Pate stand.

Martje Herzog las aus ihren 68er Jahren mit Werner. Deutschland wurde aufgebaut, alte Nazis besetzten immer noch politische Posten, der Vietnam-Krieg tobte und Studenten unterbrachen ihr Studium, um zu protestieren.

Sepp Hubers Musikauswahl unterstrich das Gehörte vom Erleben einer Jugend zur Zeit der Beatles.

Franz Oberhofers Kurzgeschichte erzählte von Lena im Bus, von dem Platz, der noch warm ist, von der alten Frau mit einer Tasche voll Äpfel, der sie wortlos hilft. War der Sitz wirklich warm? Es dunkelt, kühle Abendluft im Bus, Lena steigt aus – uns bleiben die Fragen.

Klaus Büttermanns berührender Text nimmt die kleine Schwester ins Leben, die so gern mit ihm Kuchen gegessen hatte. Immer wieder holt er sie und auch Bruder Fritz, der verlottert und verloren ist, aus dem Internet im Handy hervor. Sie sind dann bei ihm, nicht vergessen.

Lore Kienzl sprach von Wahrnehmungen bei ihren Spaziergängen in der Natur. Es knistert und knackt im Gebüsch, im Sommer durch Wind und Wasser belebt. Mit Heiterkeit beobachtete sie den Fisch, der sie anlachte – Momentaufnahmen wie jene in schwerer Zeit gemeinsam mit ihrer Schwester verfassten leichten Gedichte.

Corinne Haberl zerlegte ihre Leseerfahrungen aus Bücherstuben sprachlich: Skurril ist es, wenn sich Bücherwürmer in Bücher bohren. Ihre alltäglichen Ansammlungen gefundener Weisheiten aus dem Landsberger Tagblatt inspirieren sie zu Malerei und Poesie.

Roland Greißl zeigte Bilder von einem Mohnblumenfeld – ein Rausch in Rot, Symbol der Liebe im Persischen. Doch spätestens seit dem Gedicht „In Flanders Fields“ von 1915 steht es auch für Kriegsopfer, womit er den Bogen zur Mohnblüte in der Ukraine stellvertretend für alle aktuellen Kriege schlug.

Mit einem Mitmachlied formte Sepp Hubers Musik noch einmal eine akustische Gemeinschaft.

Und Rudolf Anton Fichtl gab den Anwesenden in einem ausgefeilten Vortrag noch einen humorvollen Impuls aus seinem satirisch-lyrischen Schaffen mit auf den Weg.

Moderator Dieter Vogel beendete daraufhin offiziell die gelungene Veranstaltung mit einem Lob für die disziplinierte Runde. In kleinen Grüppchen saßen oder standen noch einige beieinander, besprachen Erfahrenes, entdeckten Gemeinsamkeiten oder verabredeten sich. Im Juli sieht man sich hier wieder, bei der traditionellen Südlesung, heuer zum Thema „Träume“.

Text:
Barbara Koopmann
Fotos: Roland Greißl und Brigitte Knörzer