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Freie Lesung Übermaß - 20.2.2026

Am Übermaß zerbricht der Mensch

Das Thema „Am Übermaß zerbricht der Mensch“ wird in Baden-Württemberg zukünftig nicht mehr auf dem Lehrplan stehen, da man es dort als nicht zeitgemäß erachtet. Diese Nachricht hatte Moderator Roland Greißl, ehemals Lehrer im IKG, zum Anlass genommen, gerade diese sperrige Aufgabe den Autoren im Landsberger Autorenkreis für eine freie Lesung zu stellen. Er war dann überrascht, dass sich am 20. Februar trotz Schneefall, vielen Erkrankungen und herausforderndem Thema doch Gäste und zwölf Lesende im Café FilmBühne einfanden, um ihre Beiträge zum Thema vorzutragen.

Nach einer kurzen Einführung des Moderators, in der er die ganze Bandbreite von möglichem Übermaß vorstellt, die von Krieg über Unwissen bis hin zu übermäßiger Liebe führte. Ganz so wie sie schon Sibylla Schwarz vor 400 Jahren in ihren Gedichten schilderte. Passend dazu wurden die Namen der Lesenden durch Ziehen aus einer historischen Keksdose bestimmt.

In der Reihenfolge, wie sie der Zufall bestimmte, lasen Heiko D. Felbrici, Klaus Büttermann, Mirlo Verdad, Rudi Fichtl, Boris Schneider, Martje Herzog, Lore Kienzl, Corinne Haberl, Johann Brüderle, Barbara Koopmann, Klaus Wuchner und Carmen Kraus. Die Themenbreite war dabei erstaunlich vielfältig und reichte von Gedichten, die vom Übermaß im Leben berichteten, über Wortspiele, Humorvolles, Erzählungen vom Übermaß der Jugend, märchenhaften Geschichten, Konsumkritik, philosophische Gedanken, einer Anekdote zur Bürokratie bis hin zu einem satirischen Lied zum Übermaß in der Lokalpolitik.

Herausgehoben werden sollen lediglich zwei Beiträge, deren Autoren erstmals im Landsberger Autorenkreis zu Gast waren. Klaus Büttermann, der erst in den letzten Jahren zum Schreiben gekommen ist, gab sein Debüt mit dem Gedicht „So viel, so viel zu wenig“, in dem er gekonnt Übermaß und Mangel gegenüberstellte. Dabei kann es jeweils zu viel oder zu wenig Fragen, Träume, Bücher, Reime, Bedenken oder sogar Liebe geben. Johann Brüderle, der aus Bad Reichenhall stammt, las einen Auszug aus seinem humorvollen Lokalkrimi „Mini-Mord und Marketenderin“, der im Berchtesgadener Land spielt. Mit einem Augenzwinkern begleiteten die Zuhörenden den Streifenpolizisten Angerer bei einem ganz normalen Arbeitstag.

Am Ende stellte Moderator Roland Greißl fest, dass sich eine bunte Vielzahl an Sichtweisen zum Thema ‚Übermaß‘ aufgetan hatte. Angelehnt an eine Bemerkung von Klaus Wuchner, nach der Übermaß von einer Norm abhängt, über die das Übermaß gerade hinausgeht, schloss der Moderator mit der Überlegung, dass Normen und damit auch Übermaß in stetem Wandel sind. Glücklich über einen Abend, der sowohl unterhaltsam als auch zum Nachdenken anregend war, brachen dann Gäste und Autoren nach Hause auf.

Die nächste freie Lesung, moderiert von Rudi Fichtl, findet genau vier Wochen später, am 20. März, also mitten in der Fastenzeit statt und wird das profane Thema „Wein, Weib und Gesang“ behandeln.

Dr. Boris Schneider

Fotos von Roland Greißl und Brigitte Knörzer (Gruppenbild)