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Autorenkreis-Fazit zum Corona-Jahr


Hoffnungsfroh begann im Landsberger Autorenkreis das Jahr 2020, als noch niemand ahnte, was es bringen würde, mit zwei Lesungen im Januar. „Neubeginn als Tür für unsere Sehnsucht“ war das Motto der ersten Lesung, und Ende Januar wurde ein Experiment gewagt: In der ersten Hälfte der Veranstaltung gab es eine Lesung zum Thema „Augenblicke: gelesen – erzählt – gehört – gesehen“, und im zweiten Teil wurde die uralte Tradition des mündlichen Erzählens wiederbelebt.

Im Februar feierten wir noch die närrische Zeit mit einer kunterbunten Faschingslesung. Gewünscht waren „Büttenreden“, für die sich die Autoren dann auch gekonnt in Faschingskostüme warfen.

Foto: Sandro Wirth

Für den März war das Treffen mit den Lyrikfreunden aus Österreich in der Lechstadt bereits terminiert und organisiert, als Corona zuschlug. Es folgte eine lange Zwangspause, die im September endlich mit einer Lesung zum Thema „Die Gedanken sind frei“ voller Freude beendet werden konnte.

Der Abbruch der Lesetermine schuf jedoch Zeit für vielfach Neues auf anderen Ebenen. Noch im März startete Helmut Glatz eine Rätselrunde, in der nach 99 Gedichträtseln Schluss sein sollte. Es folgten noch einige Zugaben, und weil gerade Ostern war, beschenkten sich die Autoren gegenseitig auch hierzu mit Versen und Karikaturen. Einige Texte fanden Eingang in die Geschichten-Aktion der Landsberger Stadtmuseen.

Kurz darauf bündelte Max Dietz in sogenannten Fernlesungen Texte der Kollegen und schickte sie in sieben E-Mail-Etappen in den Autorenkreis.

Ende August gab es organisatorisch Neues: Nach langjähriger Tätigkeit als Organisator und Leiter des Autorenkreises übergab Max Dietz die Staffel an Monika Sadegor, die künftig diese Aufgabe übernommen hat – im Team mit Carmen Kraus, weiterhin um Presse und Homepage bemüht, und Theresa Schermer, neu zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Landsberger Lange Kunstnacht, organisiert von der Stadt Landsberg, konnte im September nur digital stattfinden. Mehr als 50 Künstler und Vereine haben sich daran beteiligt. Der Landsberger Autorenkreis hat zu diesem Zweck Neuland betreten: Heidenore Glatz organisierte beherzt einen Lesenachmittag im Grünen, bei dem Videos angefertigt wurden, und Thomas Glatz schuf künstlerisch bebilderte Tonaufzeichnungen. Damit konnten auch die Präsentationen der einzelnen Autoren auf der Homepage erweitert werden.

Für den Oktober war die alljährliche Vorstellung der neuen Bücher der Autoren geplant, der Saal gemietet, der Kulturreferent der Stadt als Moderator gewonnen, die Plakate gedruckt – doch dann musste alles aufgrund galoppierender Infektionszahlen kurzfristig abgesagt werden. Gleich sechs unserer Autoren gaben 2020 neue Bücher heraus. Sie sollen hier kurz vorgestellt werden: Benno von Rechenberg spürte in „Schutz und Zuflucht für die Seele“ dem Lebenswerk seines Vaters, des Bildhauers Wilhelm von Rechenberg, nach. Monika Sadegor legte ihr viertes Buch vor, „Die Sehnsucht in der Mitte der Nacht“, mit drei spannenden Novellen zu Wendezeiten im Leben.

Marianne Porsche-Rohrer erweiterte ihre Reihe gereimter Ratgeber um das Kinderbuch „Heile, heile, Segen, Natur kann viel bewegen“.

Auch Hans Schütz wurde wieder publizistisch tätig, dieses Mal mit dem polarisierenden Titel „Der gute Mensch von Auschwitz“ über seine Begegnungen mit dem KZ-Arzt Dr. Hans Münch.

Lore Kienzl gab zusammen mit ihrer Schwester Rena Geilich ein kleines Gedichtbändchen heraus, von ihr selbst zauberhaft bebildert.

Und Helmut Glatz stellte gleich zwei Gedichtbände vor: „Komboloi“, mit ungereimter, vielfach untereinander verwobener Lyrik, und „Windvogelgedichte“, in dem Gedanken in hundert Reimgedichten durch Jahreszeiten, morsche Welten, kleines Glück und traumhafte Städte fliegen.

Immer noch neu ist unsere gemeinsam auf den Weg gebrachte vierte Anthologie, „Werkstattgespräche“, Ende 2019 herausgegeben von Dr. Boris Schneider. Über 30 unserer Autoren hatten sich wieder daran beteiligt.

Aktuell werden Beiträge für eine weitere Anthologie zusammengetragen, denn ihre Vorläufer sind fast ausverkauft. Wir dürfen uns also auf literarischen Nachschub freuen!

Foto: Sandro Wirth

Das Jahr 2021 wollen wir gern mit einem Zitat der Landsberger Schriftstellerin Luise Rinser begrüßen: „Krisen sind Angebote des Lebens, sich zu wandeln. Man braucht noch gar nicht zu wissen, was neu werden soll. Man muss nur bereit und zuversichtlich sein.“

Monika Sadegor und Carmen Kraus